Die MPS-PrepStation, ihrer Spannweite wegen von den Mitarbeiterinnen des LAVES-Pestizidlabors „Condor“ genannt, garantiert konstante Resultate bei der Herstellung von Standardlösungen auch bei wechselnden Anwendern.
Erste Adresse im Land Niedersachen für die verbraucherschutzrechtliche Überwachung von Lebensmitteln auf mögliche Pestizidbelastungen.
Teammitglieder: Tof, Casper, Ernie, Bert – kein GC/ MS-System im Pestizidlabor des LAVES, das keinen „Kosenamen“ bekommen hätte.
GC-TOF-MS für das Pestizid-Screening. Dank des GERSTEL-MPS mit der Option Automated Liner EXchange (ALEX) lassen sich auch „schmutzige“ Proben einfach handhaben.
Was wäre die moderne Pestizidanalytik ohne die QuEChERS-Methode? Die GERSTEL-Option Automated Liner EXchange erlaubt lange Sequenzen mit validen Daten. Der Anwender sagt Danke.
Das LAVES verfügt über ein umfangreiches Arsenal an Standardsubstanzen, die zu Referenzzwecken im Rahmen von Verdünnungsreihen eingesetzt werden können und der Quantifizierung dienen.
Katja Kruse (vorn): „Mit dem MultiPurposeSampler lässt sich der Arbeitsalltag effizienter gestalten.“
Auf einer Wellenlänge: Seit 1997 arbeitet Dr. Iris Suckrau (l.) mit GERSTEL zusammen. Das erste Gespräch mit Vertriebsleiter Michael Gröger (r.) betraf das KaltAufgabeSystem (KAS).

Labor im Porträt: LAVES Oldenburg

Auf den Schwingen des Condors

Das Lebensmittelinstitut des Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) in Oldenburg erzielte für Getreideuntersuchungen im Jahr 2009 bei einem Vergleich der europäischen Pestizidlabore das beste Gesamtergebnis. Die zugrunde liegende Leistung erfordere sehr gut ausgebildete, im höchsten Maße erfahrene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, betonte LAVES-Präsident Eberhard Haunhorst seinerzeit. Das allein aber genügt bei näherer Betrachtung nicht. Überragende Laborleistungen verlangen neben Erfahrung und Know-how auch eine adäquate Laborausstattung. „GERSTEL Aktuell“ hat das LAVES besucht und den Mitarbeitern des Pestizidlabors über die Schulter geschaut.

Der Raum mutet an wie die Vorratskammer einer Großküche. Ein Hauch von Seeluft mischt sich unter den herben, erdigen Geruch. Gestern gab es Fisch, heute stehen Pilze auf dem Plan. Geliefert aus der Zucht direkt auf den Tisch: Champignon, Seitling, Judasohr, Shiitake liegen da in schwarzen und blauen Körbchen dicht an dicht. Was hier lagert, steht jedoch nicht zum Verzehr, sondern bereit, auf eine mögliche Belastung mit Pflanzenschutzmittelrückständen untersucht zu werden.

Eine der ersten Adressen für Pestizidanalytik in der EU

Über alle Zweifel erhaben sein, lautet die Devise des Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, kurz LAVES. Gesundheitsschädliche Lebensmittel dürfen nun einmal nicht auf den Tellern der Verbraucher landen. Diese Haltung entspringt der Vernunft – daraus aber eine Selbstverständlichkeit ableiten? Die Wirklichkeit sieht anders aus – trotz gesetzlicher Regelungen, die den Schutz des Verbrauchers über wirtschaftliche Interessen stellen. In Niedersachsen prüft und überwacht daher das LAVES mithilfe moderner Analysentechnik die Einhaltung lebensmittelrechtlicher Bestimmungen und stellt damit einen wichtigen Eckpfeiler im Gesamtkonzept des niedersächsischen Verbraucherschutzes dar.

Das Adressschild nahe der Straße weist dem Besucher den Weg entlang des Parkplatzes zum Eingang des Lebensmittelinstituts: ein mehrstöckiges, großzügig verglastes Gebäude, das von außen nicht vermuten lässt, was es in seinem Inneren beheimatet, nämlich eines der besten europäischen Pestizidlabore für Getreide.

Für seine Geschicke verantwortlich zeichnet Dr. Iris Suckrau. Die agile Lebens mittelchemikerin hat ihren Beruf von der Pike auf erlernt: Ausbildung zur Chemielaborantin; Abitur auf dem zweiten Bildungsweg; Studium der Lebensmittelchemie; Promotion. Fleißig. Ehrgeizig. Talentiert. Der strahlende Blick hinter den Brillengläsern unter der Kurzhaarfrisur betont ihre frische, heitere Natur. Dem LAVESWissenschaftsstab gehört sie seit 1995 an. Vor ihrem Wechsel ins Pestizidlabor fahndete Dr. Suckrau im Auftrag des LAVES nach Dioxin in Lebens- und Futtermitteln.

Vier wissenschaftliche und 15 technische Mitarbeiter, bei denen es sich vorwiegend um Mitarbeiterinnen handelt, zählt das Pestizidlabor. „Als ich hier anfing“, erinnert sich Dr. Iris Suckrau, „waren wir nur zu viert.“ Die Wissenschaftlerin sitzt an ihrem Schreibtisch, entspannt zurückgelehnt, lächelt. Die Tischplatte vor ihr ist aufgeräumt, das Büro einfach und praktisch. Im Büro verbringe sie wenigstens ebenso viel Zeit wie im Labor, um Analysenprotokolle auszuwerten, Messergebnisse zu interpretieren und Gutachten zu erstellen. „Was wir produzieren“, sagt die Wissenschaftlerin, „muss juristisch einwandfrei und vor Gericht unanfechtbar sein.“

Zur Kundschaft des LAVES zählen die Lebensmittelüberwachungsbehörden, die Landkreise sowie die kreisfreien Städte. „Wir arbeiten nicht für Privatpersonen oder für Unternehmen, sondern ausschließlich in hoheitlichem Auftrag“, erklärt die Wissenschaftlerin. Die rund 3000 Lebens- und Futtermittelproben, die das Landesamt alljährlich auf Pestizide untersucht, werden in der Regel auf behördliches Geheiß eingesandt.

Lebensmittelanalytik vor allem saisonaler Erzeugnisse

Früher, erinnert sich Iris Suckrau, seien die Lebensmittelkontrolleure beauftragt gewesen, jeder für sich eine bestimmte Anzahl von Proben zur Untersuchung abzuliefern. Mancher Pfiffikus sei daraufhin schnurstracks in den nächsten Supermarkt gelaufen, um sich an der Obsttheke mit Erfolg versprechenden Südfrüchten einzudecken, die übrigens in puncto Schadstoffbelastung heute viel besser seien als ihr Ruf. Dr. Iris Suckrau: „Die waren natürlich im Handumdrehen mit ihrer Arbeit fertig.“ Wirklich sinnig und hilfreich sei das allerdings nicht gewesen.

Die Zeiten haben sich geändert. Beliebigkeit ist out. Heute werde zunehmend risikoorientiert und breitflächig vor der eigenen Tür gekehrt: „Der Fokus liegt vor allem darauf, saisonale Erzeugnisse der Region wie Spargel oder Erdbeeren unter die Lupe zu nehmen, um, wenn Sie so wollen, den eigenen Stall sauber zu halten“, erläutert Dr. Suckrau.

Wenn Greenpeace wieder einmal Zahlen vorlegt, die auf eine erhöhte Belastung von Paprika, Salat & Co. mit chemischen Rückständen hindeuten, steigt das Arbeitsaufkommen im Pestizidlabor des LAVES. Durch die Nachrichten sensibilisiert, schauen die Lebensmittelkontrolleure bei ihren unangemeldeten Stippvisiten in Bäckereien, Metzgereien, Imbissbuden, Gaststätten, Großküchen, Handelsunternehmen, landwirtschaftlichen Betrieben und der Lebensmittelindustrie noch etwas genauer hin, ob die vorgeschriebenen Hygienerichtlinien und Qualitätsstandards eingehalten werden beziehungsweise nur einwandfreie Ware verarbeitet, hergestellt und angeboten wird.

Lassen Güte und Qualität zu wünschen übrig, keimt auch nur der leiseste Verdacht eines Verstoßes gegen das Verbraucherschutz- und Lebensmittelrecht, ist der Kontrolleur gehalten, verdächtiges Material doppelt zu beproben, erklärt Dr. Suckrau: „Die Erstprobe landet zur Untersuchung bei uns.“ Die identische Zweitprobe wird dem beprobten Unternehmen überlassen, auf dass es im Streitfall, beispielsweise bei einer vom LAVES festgestellten überhöhten Pestizidbelastung, ein Gegengutachten bei einem privaten Labor in Auftrag geben kann. Da dieser Schritt mit erheblichen Kosten verbunden ist, wird in der Regel zunächst der Rechtsweg beschritten und ein Anwalt eingeschaltet.

„Das Erste, was der Anwalt eines Unternehmens nach Vorliegen meines Gutachtens macht“, erklärt die Wissenschaftlerin, „ist eine Detailprüfung, ob die Probennahme ordnungsgemäß und richtig verlaufen ist.“ Weil es sich bei der Probennahme um einen diffizilen, stark reglementierten Vorgang handelt, schult das LAVES einmal im Jahr alle Lebensmittelkontrolleure, bei denen es sich häufig um Bäcker, Köche oder Angehörige anderer Berufe der Lebensmittelbranche handelt, die sich zum Lebensmittelkontrolleur haben weiterbilden lassen. Nur wenn die Prüfer ihren Job richtig machen, können Dr. Iris Suckrau und ihr Team im Pestizidlabor des LAVES erfolgreich arbeiten.

Blick hinter die Kulissen des LAVES-Pestizidlabors

Zischen, Glucksen und Klackern erfüllt den Raum, das Sonnenlicht wird von den heruntergelassenen Rollos gelenkt. Das Interieur des GC/MS-Labors schafft eine gewisse Vertrautheit für jene, die sich in der Gaschromatographie beheimatet fühlen: GC-Laboratorien gleichen sich immer auf die eine oder andere Weise. Auf den Labortischen – ein GC/MS-System ordentlich neben dem nächsten; dahinter Gasleitungen und Kabel, die gen Decke verlaufen, Absaugstutzen und Steckerleisten – herrscht das für dieses technische Equipment immer gleiche Tohuwabohu.

Das aber ist nicht störend. Kennzeichen für Leistung ist nicht die Ordnung im Kabelsalat, sondern die Gerätschaft, deren Ausstattung mit Blick auf die Vorderfront offensichtlich wird.

Die meisten GC/MS-Systeme tragen einen GERSTEL-MPS, ausgestattet mit den unterschiedlichsten Funktionen und Optionen für eine umfangreiche automatisierte Probenvorbereitung: von Flüssigaufgabe über Large-Volume-Injektion bis Headspace-Technik und SPME.

Die QuEChERS-Extraktionsmethode, weit verbreitet in der Pestizidanalytik zur Bestimmung auch sehr stark matrixhaltiger Proben, ist auch im Pestizidlabor des LAVES Teil der täglichen Routine; allerdings injiziert man automatisiert unter Einsatz der GERSTEL-Option Automated Liner EXchange (ALEX). Nach rund 20 Injektionen wird der Liner automatisch gewechselt. Erdbeeren und andere komplexe Matrices stellen dank ALEX kein Problem dar.

Dr. Suckrau positioniert sich am GCTime- of-Flight-Massenspektrometer (TOF), auf dem die ersten Messungen einer Probe gefahren werden: „Das Screening mittels GC-TOF-MS und LC-TOFMS liefert uns wichtige Anhaltspunkte über die für uns interessanten Inhaltsstoffe einer Probe, und wir können eine Vorstellung davon entwickeln, wie weiter verfahren werden muss, um zum Beispiel die tatsächlichen Höchstgehalte der Pestizide gemäß EG-Verordnung 396/2005 bestimmen zu können.“ Die Quantifizierung erfolgt mittels Vierpunkt-Kalibrierung. Liegt eine Überschreitung der zulässigen Höchstgehalte vor, wird statistisch exakt und nachvollziehbar weitergearbeitet, nämlich mittels Standardaddition. Dabei werden die nachgewiesenen Pestizide der jeweiligen Probe zugesetzt. „Apropos Standardaddition“, sagt Dr. Suckrau, „kommen Sie einmal mit.“ Die Wissenschaftlerin marschiert in Richtung Fenster. Am Ende des Tisches biegt sie rechts ab und bleibt vor einer XL-Version der GERSTEL- MPS-PrepStation stehen. „Seiner Spannweite wegen“, erklärt Suckraus Mitarbeiterin Katja Kruse, „nennen wir dieses MPS-Stand-alone-Gerät Condor.“

Auch Laborroboter sind nur Menschen ...

Alle GC/MS-Systeme im Raum tragen, am Rande bemerkt, Kosenamen: Sie heißen Casper, Ernie oder Bert, und man könnte meinen, nicht allein die „Sesamstraße“ habe hier Pate gestanden. Durch die Namensgebung falle es leichter, bemerkt Dr. Suckrau, die verschiedenen Geräte und die darauf ausgeführten Arbeiten im Blick zu behalten. Unabhängig davon zeugt die konsequente Personalisierung von Maschinen wieder einmal aufs Neue von des Menschen Hang, Robotern menschliche Züge zu geben: die Maschine, Freund und Kollege ...

„Die PrepStation“, bemerkt Dr. Suckrau, „ist für uns überaus wichtig.“ Gemäß den Vorschriften der Europäischen Union zu Methodenvalidierung und Qualitätskontrolle im Rahmen der Pestizidanalytik gilt es, die Ergebnisse der Messung abzusichern; das LAVES besitzt zu diesem Zweck ein Arsenal hunderter Referenzsubstanzen, die zur Herstellung von Verdünnungsreihen eingesetzt werden können. „Wie sich herausgestellt hat“, setzt die Wissenschaftlerin ihre Erklärung fort, „liefert die Standardaddition bei der Absicherung von Höchstgehaltsüberschreitungen optimale Ergebnisse, und zwar sowohl für die GC/ MS- als auch für die LC/MS-Analytik.“

Bevor der „Condor“ seinen Platz im Labor eingenommen habe, sei sehr viel Zeit auf die Herstellung der Standardlösungen verwendet worden. Diese Arbeit sei nicht nur mit einer aufwendigen manuellen Tätigkeit verbunden gewesen, sie brachte zudem nicht immer den gewünschten Erfolg. Dr. Suckrau: „Mit der MPS-Prep- Station arbeiten wir heute nicht nur effizienter, wir erzielen damit zudem durch die Bank optimale, zuverlässige, sehr gut reproduzierbare Resultate.“

Und das sei insbesondere für ein Landesamt sinnvoll und notwendig, das mit gerichtsfesten Analysenergebnissen nachhaltig zum Verbraucherschutz beitrage.